Hansjoggeli der Erbvetter

Jeremias Gotthelf (1797-1854)

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Ein junger Stadtmetzger stritt mit mehreren Bauern. Der Metzger hatte ein gutes Stück Stadtstolz im Leibe und einen noch grösseren Schluck Wein; er war in dem Zustande, welchen die Bauern am geeignetsten fanden, um ein eigentümliches Spiel mit ihm zu treiben, welches sie in angestammter Kaltblütigkeit gar trefflich verstehen. Dieses Spiel besteht darin, jemand, den man sich auserwählt, durch Reden, Rühmen oder Tadeln oder beides zusammen in Hitze zu bringen und entweder zum Wetten oder zum Schimpfen und Schelten zu verleiten; in beiden Fällen kommt er in eine stattliche Weinzeche, er weiss nicht wie. Der Metzger war in das Gehäge des Bramarbasierens mit seinem Reichtume getrieben worden. Einer der Bauern hatte geäussert, er hätte wohl auch fettes Vieh, verkaufe es aber keinem Stadtmetzger; diese hätten Geld, aber nur, um die Herren zu spielen, und nicht, die Bauern zu bezahlen. Sehe man sie auf dem Lande, so glaube man, es seien alles Engländer, gehe man aber in der Stadt dem Gelde nach, so finde man sie so arm wie Kirchenmäuse. Der Metzger liess sich andrehen, schimpfte über die Bauern, die bei all ihrem Hochmut oft nicht sechs Kreuzer zu Hause hätten, um Salz zu kaufen, daher kein fettes Vieh mehr zu finden sei; und wenn einer einmal drei Batzen zahlen solle, so müsse er im ganzen Dorfe vergeblich herumlaufen.

So spann sich der Handel an, stieg zu immer grösserer Hitze, bis sich endlich der Metzger vermass, er trüge mehr Geld bei sich als sie alle zusammen, ja mehr, als sie alle zusammen zu Hause hätten, die Sparbüchsen der Weiber und Kinder eingerechnet. Er werde meinen, sie hätten es mit solchen Sparbüchsen wie die Herren. Diese hätten es nämlich damit wie die Weiber mit den Hühnernestern, welche sie immer über den andern Tag leerten. Zornig bot der Metzger eine Wette von zwei Mass Wein an, er trüge mehr Geld bei sich, als sie in einer Stunde zusammenbringen könnten. Kaltblütig spotteten sie ihn aus, ob er denn meine, wegen zwei Mass lohne es sich ihnen der Mühe, mit der Hand in die Tasche zu fahren, geschweige denn gar nach Hause zu laufen, das wäre allfällig eben gut für Kirchenmäuse. Der Metzger sah begreiflich dieses für einen versteckten Rückzug an, fuhr umso hitziger hintendrein, steigerte seine Wette bis zu sechs Mass hinauf vom Allerbesten. Ja, sagte einer, es wäre doch eine Schande für sie, wenn sie zusammen so gegen ein Metzgerlein stünden; verspiele er auch, so würde er sich doch rühmen, wie viele Bauern hätten zusammenstehen müssen, um ihn aufzuwiegen. Er hülfe wetten, jenes alte Männchen hinter dem Ofen hätte mehr Geld in der Tasche als der Metzger. Das sei ihnen recht, riefen die anderen Bauern. Der Metzger, welcher dieses für eine neue rückgängige Bewegung ansah, war in hohem Grade erbost, redete von Hudel- und Fötzelbauern, von denen er sich nicht zum besten wolle halten lassen; was er mit dem alten Lump da solle? Nur nicht so aufbegehren solle er, kriegte er zur Antwort. Ihnen sei es ernst, er aber scheine es nicht einmal mit einem alten Lump aufnehmen zu dürfen. Das wolle er ihnen zeigen, brüllte der Metzger, warf sechs Gulden auf den Tisch, soviel sollten sie, wenn sie es hätten nämlich, hervormachen. Bei der Wirtin wollten sie das Geld niederlegen; wer gewinne, dem gebe sie seine Einlage wieder, die Einlage der Verlierenden werde in Wein verwandelt. Zögernd, einredend, es werde wohl früh genug sein, zum Geld zu greifen, wenn die Wette entschieden sei, für sechs Gulden seien sie doch wohl noch lange gut genug, legten sie endlich die sechs Gulden unter Drohen und Fluchen des Metzgers, der zum Stock griff und dem Hund pfiff, zusammen. Die Wirtin sollte es zuhanden nehmen, sagte aber, sie wollte lieber überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben, und erst, als der Metzger gebrüllt hatte: "Willst Du oder willst Du nicht!", strich sie das Geld zusammen und sagte: "Enfin, wenn Ihrs haben wollt!" Jetzt strahlte der Metzger im Siegerglanz, trat an des Alten Tisch und rief: "Seh jetzt, du altes Kudermännchen, lies deine Kreuzer zusammen und zeige, wieviel du hast!"

Der Alte hatte zum ganzen Handel kein Wort gesagt; nun aber angeredet, meinte er: ihn hätte niemand gefragt, ob er wolle oder nicht, und zwingen könnte ihn eigentlich niemand, sein Beutelchen hervorzunehmen. Indessen lenkte er, da der Metzger zum Stock griff und seinem Hund pfiff, ein, es sei ihm am Ende recht, wenn er mittrinken könne, müsse er doch nicht mitzahlen; doch der Metzger müsse zuerst zeigen, wieviel er habe. Dieser zögerte nicht, schnallte den Gurt ab, schüttete die Taler heraus, dass sie in der ganzen Stube herumfuhren; es fand sich, dass hundertfünzig Gulden sein Vorrat betrug. "Nun, du alter Stöffeler, zeige, was du hast!" sagte der Metzger und stellte sich triumphierend vor denselben hin; hinter dem Metzger stellten die Bauern sich auf, zogen an ihren Pfeifchen und machten einen Rauch, dass sie selbst fast erstickten. Der Alte griff in die Busentasche der Weste, zog eine kleine, zusammengedrehte Schweinsblase hervor, wickelte sie auf und sagte, während der Metzger lachte und siegestrunkene Bewegungen machte über das kleine Beutelchen: es wäre ihm lieber gewesen, man hätte ihn in Ruhe gelassen. Indessen, wenn man es gehabt haben wolle, so habe man es, aber wer verliere, solle es ihm nicht nachtragen, und allweg werde es dem Metzger nicht schaden, wenn er wüsste, dass auch noch ausserhalb der Stadt Leute seien. Während er dies sagte, liess er den Inhalt der Blase über die Hand laufen, und er funkelte schön. Es waren lauter Louisdors, doppelte und einfache, wenigstens sechzig an der Zahl.

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Der Metzger wurde nun mörderlich zornig, denn die Augen gingen ihm auf, er sah ins angelegte Spiel. Er fing an, sich grimmig aufzublasen, mit Schelmen und Spitzbuben um sich zu werfen, und wer weiss, wie tief in den Schlamm er noch geraten wäre, wenn der Alte ihm nicht vernünftig zugesprochen, Wirt und Wirtin nicht rechts und links an seiner Seite gestanden wären, zwei zahmen Elefanten gleich, zwischen welche man einen wilden, eingefangenen knebelt und bindet. Er liess sich besänftigen, trank einige Gläser des Wettweins mit, allein es brannte ein solch Raketenfeuer verblümten und unverblümten Witzes auf ihn ein, welches er nicht erwidern konnte, dass er es nicht aushielt; teils stob er, teils stolperte er von dannen.